Nachruf auf Stefano Turri
Stefano Turri war ein echter Typ – ein engagierter Architekt.
Wir haben mit Stefano, als wir alle noch jung waren, die Hauptverwaltung für Braun entworfen und gebaut. Der Vertrag passte auf eine Seite, und es ist bis heute unser einziges Bauvorhaben, das zwei Wochen früher fertig wurde und genau das gekostet hat, was geschätzt war. Das hatte – neben den Umständen der Zeit – vor allem auch mit Stefano zu tun, der als Projektleiter konzentriert, beharrlich und anspruchsvoll sowohl die Gestaltung als auch die Ausführung vorangetrieben hat.
In China bewegten wir uns mit ihm auf damals für uns unbekanntem Terrain: Wer ist überhaupt der Bauherr, und kommen wir an das vereinbarte Honorar? Stefano flog damals nicht zurück, bevor er unsere Anliegen durchgesetzt hatte.
In Österreich wiederum überzeugte er in der Bewerbungsphase eines Wettbewerbs den Bauherrn, den „Hidden Champion“ FRONIUS, mit einem eigens mitgebrachten venezianischen Führungsholz der Gondoliere davon, dass wir die passenden Architekten für die individuellen Ansprüche des Bauherrn seien. Den Wettbewerb haben wir gewonnen, das Haus ist lange gebaut, die Nutzer sind weiterhin glücklich.
So einer war er.
Nach fruchtvollen Jahren der Zusammenarbeit hat er sich selbstständig gemacht – gut und richtig so. Wir sind sehr traurig. Die gemeinsame Zeit, die Projekte, die Gespräche und sein unbedingter Wille bleiben uns im Gedächtnis. Wie gerne hätten wir die Erinnerungen an diese Zeit noch einmal mit ihm geteilt.
Till und Michael
Foto: Jörg Hempel